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Alexander Graf, Geschäftsführer von Spryker Systems und leidenschaftlicher E-Commerce Stratege, hat für seinen Blog Kassenzone.de ein Interview mit dem Pets Deli Gründer David Spanier geführt. Neben der Entstehungsgeschichte und vielen Facts zum Geschäftsmodell hat er Antworten darauf bekommen, warum das Unternehmen kürzlich seinen Shop für gesunde Hunde- und Katzennahrung von Magento auf Spryker migriert hat und mit dieser Entscheidung absolut zufrieden ist.

 

Das volle Interview gibt es bei Kasssenzone.de zu sehen bzw. bei Soundcloud zu hören und die Transkription zur Umsetzung mit Spryker gibt es im Folgenden zu lesen:

 

Alexander Graf: Ihr seid ihr von einer Magento-Instanz zu Spryker gewechselt. Das ist extrem schön für uns und wir freuen uns darüber. Aber jetzt könnte man hämisch von außen sagen „Naja, das ist ja eigentlich ein ganz normaler Shop.” Ihr seid ja ein Shop Use Case. Welches Anwendungsszenario ist denn bei euch so datengetrieben oder erfordert höheren Durchgriff an die Technik? Also welche Limitationen halten euch an einem normalen Shopsystem auf?

 

David Spanier: Also ich war am Anfang auch sehr skeptisch was Spryker anging und habe gesagt „Mein Gott, wollen wir es nicht einfach auf Magento laufen lassen, wie andere auch?“ Und dann wurde mir die Idee, auch im Zuge des Investments von Project A, präsentiert. Zunächst habe ich genau die gleichen Argumente aufgeführt, wie du gerade. Und jeder, der dabei war, hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich am Ende mal „Ja“ sage. Aber Ich habe mich dann wirklich mal hingesetzt und habe mich gefragt „Ok, was muss mein Shop können?“ Ein Beispiel: Wir haben Produkte, die der Kunde costumizen kann. Die man also nicht nur in der Größe auswählt, sondern bei denen man einzelne Zutaten abwählen kann und dementsprechend werden dann Menüs komplett neu berechnet. Das ist schon relativ kompliziert. Und wenn man das dann mit einem Magento-Entwickler bespricht, dann guckt der schon komisch und sagt „Nee, das geht nicht und das geht nicht“.

 

Alexander Graf: Das ist also so eine Art Konfigurator, bei dem man sagen kann „Mein Tier ist 10 Kilo schwer und möchte mehr Schweinefleisch und weniger Rindfleisch “ oder wie kann ich mir das vorstellen?

 

David Spanier: Ja so ungefähr. Du kannst sagen: “Karotten verträgt mein Hund nicht.” Sehr viele Hunde haben Unverträglichkeiten, auf die man als Besitzer eingehen muss.

 

Alexander Graf: …was ich hier heute lerne…

 

David Spanier: Ja, das ist Wahnsinn. Jeder dritte Hund hat irgendwas und verträgt z. B. irgendeine Fleischsorte nicht. Das ist ganz extrem und es gibt mittlerweile viele wissenschaftlich Erkenntnisse dazu. Das heißt also, du musst gewisse Dinge abwählen können und die wiederum verlangen dann, dass die Menüboxen anders strukturiert sind. Also so ein bisschen wie “meinMüsli”. Das ist über eine normale Shop-Software nicht so einfach darstellbar. Genauso wie die Abofunktion: Da hatten wir sehr konkrete Vorstellungen, wie das am Ende mal sein sollte. Es sollte nicht so ein monetär getriebenes Feature sein, das wir ausschließlich machen, weil es gut fürs Business ist, sondern das sollte etwas sein, dass dem Kunden wirklich hilft und vom Prozess her eine schöne Experience ist! Jeder kennt es: Du stehst morgens auf, dein Hund hat Hunger und du hast nichts mehr im Haus. Das ist ein furchtbarer Moment – denn das Tier hat echt Hunger. Das ist mir schon oft passiert, deshalb ist das Abo in dem Bereich wirklich ein cooles, wichtiges Feature. Also mit anderen Worten: Immer wenn ich mit den Spryker-Jungs gesprochen hab und gefragt hab „Könnt ihr das?“ hieß es immer „Ja klar, kein Problem. Können wir anbieten, dauert eine Woche“ und bei Magento oder anderen Firmen, mit denen wir gesprochen haben hieß es dann „Ah nee, also so können wir das nicht, da muss man vorsichtig sein, da muss man schauen“. Und dann habe ich immer mehr gemerkt: “Ok wenn man wirklich einen Shop hat, der ein bisschen, bisschen anders ist – also nicht nur klassisch T-Shirt in M,L und Schuh in 46, 47 – dann ist man viel freier mit Spryker, was das betrifft. Auch bei Magento und Co. gibt es mittlerweile diese Plug-Ins mit One-Page-Checkout und so weiter, aber es ist alles sehr… also das Korsett ist schon eng und du kannst nicht so viel machen, wie du machen willst.

 

Alexander Graf: Und wie technisch getrieben seid ihr denn? Wir haben jetzt ja einige Kundenprojekte, die wir grad mit Spryker entwicklen. Einige sind extrem technisch, da gibt es eigentlich gar kein Online-Marketing-Team, das kommt dann erst oder die Businessseite ist sehr, sehr überschaubar belegt. Du hast gesagt, ihr habt Tierärzte hier, Produktentwickler – wie viele Impulse gehen da eigentlich jeden Tag oder jede Woche ein, die die Website oder irgendwelche Funktionalitäten betreffen?

 

David Spanier: Also wir sind sehr tech-fokussiert und ich bin auch sehr penibel, was die Zahlen betrifft. Wir kümmern uns um jede 0,01 Conversion-Optimierung – jetzt grade wo wir noch klein sind. Ich glaube, dass es extrem wichtig ist, dass man alles durchoptimiert und ich glaube auch daran, dass es schon einen sehr großen Effekt hat, wenn man im Check-out mal etwas ändert, was vielleicht nicht so gut gelaufen ist oder wenn man das Gutscheinfeld vorzieht, den Prozess abkürzt oder etwas baut, um nicht scrollen zu müssen. Also wir schauen uns das auch mit „Heat“ oder mit anderen Tools täglich an und ändern jeden Tag mindestens 20 Sachen online, das ist schon sehr technisch.

 

Alexander Graf: Wie viele Entwickler habt ihr bei Pets Deli?

 

David: Wir haben drei PMs mittlerweile, die das Projekt steuern und wir haben insgesamt acht Entwickler. Es war schwierig, gute Entwickler zu finden und wir sind sehr glücklich, dass wir diese nun haben. Gerade haben wir einen ganz tollen CTO jetzt gesignt, der jetzt im August hoffentlich anfängt.

 

Alexander Graf:  Ok, und damit schafft ihr es jetzt quasi auch, die Anforderungen schnell umzusetzen?  Also was wir merken, oder die Kunden, die wir haben, oder gerade signen, die sagen: “IT wird zunehmend zum Bottleneck.” Sie schaffen es nicht mehr, die Anforderungen aus der Businessseite umzusetzen – das können verschiedene sein. Bei euch ist es jetzt dieser Konfigurator, bei anderen ist es Tracking. Es ist ja nicht nur A/B Testing im Sinne von “Funktioniert der Gutschein-Button im Check-Out an Stelle 3 besser als an Stelle 5”, sondern man will wissen: Wie verhalten sich die Kunden, die den Gutschein an Stelle 3 eingesetzt haben eigentlich langfristig gegenüber einer Testkohorte. Und das führt zu ganz verschiedenen Anforderungsszenarien. Aber da sagst du, mit acht Entwicklern seid ihr heute nicht in diesem Bottleneck? Es sieht eigentlich noch gut aus, dass ihr die Dinge, die ihr machen wollt, umsetzten könnt und jetzt geht es ja wahrscheinlich als nächstes um Internationalisierung?

 

David Spanier: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, dass man mit dem System sehr effektiv sein kann, wenn man wirklich gute Programmierer hat, die dann auch ein paar Wochen darauf gearbeitet haben. Was wir auch festgestellt haben ist, dass wenn Leute kommen, die noch nicht mit Spryker zu tun hatten, es dann nur so 2 bis 4 Wochen dauert, bis die auch echt sehr schnell sind. Ich glaube, dass wir super effektiv sind, was das ganze betrifft. Wir verändern auch eine ganze Menge. Wir hatten in den letzten Wochen eigentlich jeden Monat einen neuen Launch in einem anderen Land. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass wir vor gut einem halben Jahr erst mit Spryker gestartet sind… und was wir damit schon alles erreicht haben. Also ich war am Anfang wirklich skeptisch, muss ich dir ganz ehrlich sagen, aber mittlerweile glaube ich, oder besser: Weiß ich nicht, ob es PETS DELI noch geben würde, wenn wir die Entscheidung für Spryker nicht getroffen hätten. Das muss man so ehrlich sagen. Denn wir haben jetzt schon einige technische Anforderungen verwirklicht, die existenziell für uns sind. Sei es die Subscribtion, wie wir sie jetzt gemacht haben; den Check-Out, wie wir ihn gebaut haben, den My-Account, den wir gerade planen: Wir machen einen Pfoten-Club so als Pendant zu Miles and More als Grundidee – das sind alles so Ideen und ich wüsste nicht, wie man die mit Magento oder wem auch immer jetzt umsetzten würde. Und wie willst du dich als Shop irgendwie gegen die Großen wehren, wenn du nicht die Waffen hast, die du brauchst? Also das ist, glaube ich, extrem schwer.

 

Alexander Graf: Ja, das wäre auch für mich so ein bisschen die Frage und gleichzeitig der Pitch, den wir jetzt haben: Jemand der Spryker einsetzt, der versucht sich sich zu differenzieren über Technologie z.B. indem er eine bessere Suche hat, individualisierte Produkte anbieten kann, personalisieren kann, was auch immer… Wenn du jetzt so ein bisschen nach vorne guckst: Wie entwickelt sich PETSDELI jetzt weiter? Ihr seid wahrscheinlich immernoch extrem stark in der Produktentwicklung und findet rechts und links immer wieder neue Opportunitäten, vielleicht auch neue Tierarten, die ihr ansprechen könnt. Wenn du jetzt ein halbes Jahr in die Zukunft schaust, wo können wir da von euch am meisten sehen oder erwarten? Ist es die reine Internationalisierung, ist es eher technisch getrieben im Sinne von individuellerer Produktempfehlung, ist das eher Business getrieben z.B. durch andere Verticals – einen PETS DELI Club, PETS DELI Marktplatz, PETS DELI whatever – siehst du da einen Trend oder eine Tendenz?

 

David Spanier: Ja auf jeden Fall. Also es ist ja immer schwierig – wenn du so etwas gründest, hast du eigentlich immer 50 Pferde im Rennen – das kommt natürlich auch immer so ein bisschen drauf an, was dann am Ende funktioniert. Also ich glaube, ein ganz großer Punkt für uns waren jetzt noch einmal die letzten Wochen und sind auch noch ein paar Wochen… Weißt du, wir sind vor sieben Monaten mit vier Leuten in einer sehr großen Geschwindigkeit gestartet und jetzt sind wir knapp 90. Da muss man auch schonmal ein paar Wochen durchatmen und mal gucken, was ist eigentlich in der Geschwindigkeit verloren gegangen. Denn wir sind alle keine Steve Jobs…

 

Alexander Graf: Das weißt du doch nicht, vielleicht!

 

…was genau David für die kommenden Wochen und Monate plant, gibt es im Interview ab Minute 38 im Detail zu hören: