Alexandra Buckalew
Alexandra Buckalew Product Marketing Manager
06. December 2018 in

MVP Marketplace B2C

Das erste digitale MVP der Geschichte

Du willst mehr über die Grundlagen des Minimum Viable Product erfahren? Das MVP ist ein schlankes Produkt mit gerade genug Funktionen, die Nutzerbedürfnisse zu befriedigen um so frühzeitig Feedback zu ermöglichen, das in künftigen Produkt-Updates umgesetzt werden kann.


Die Grundlagen des MVP findest Du hier komprimiert zusammengefasst



Die Theorie langweilt Dich? Okay – hier kommt der allererste MVP-Anwendungsfall mit einem Thema, zu dem wir alle Bezug haben: Schuhe, oder besser gesagt, der Handel mit Schuhen.


Die Geburtsstunde des MVP

Machen wir eine kleine Reise in die Vergangenheit. Es ist 1998: Amazon und Google, wie wir sie heute kennen, hatten im Online-Handel wenig Bedeutung, das Handy, wenn man denn eines besaß, diente für Anrufe und Tetris – Einkäufe erfolgten also ausschließlich stationär.


Die Situation: Du gehst auf die Suche nach Schuhen für den Winter. Du wirst auch fündig – leider gibt es Dein Wunschpaar aber nicht in der richtigen Größe. Im nächsten Laden gibt es das Produkt zwar in Deiner Größe, nicht aber in der richtigen Farbe. So geht es weiter, bis Du alle Läden in der Stadt durch hast. Und nun?



Wie alles begann

In dieser Situation befand sich auch Nick Swinmurn und hier setzte er bei der Entwicklung des ersten digitalen MVP der Geschichte an. Die mangelnde Auswahl an Produkten, in seinem Fall Schuhe, führte ihn zum ersten Schritt seines MVP: Er stellte sich die folgenschwere Frage: „Wären die Leute daran interessiert, Schuhe online zu kaufen?”

Damals wurde angenommen, dass Kunden ihre Schuhe ausschließlich stationär kaufen wollen. Diese Annahme basierte nur darauf, dass eine „digitale Anprobe” natürlich nicht möglich war.

Zum Glück suchte und fand Swinmurn Erhebungen, die besagten, dass 5% aller 1998 in den USA verkauften Schuhe aus Versandkatalogen bezogen wurden. Und diese Erkenntnis veränderte unser Shoppingverhalten nachhaltig: nicht alle Käufer auf dem Markt wollen die Schuhe vor dem Kauf anprobieren.


Mit dem Minimum zum Maximum

Mit dieser Hypothese im Hinterkopf ging Swinmurn an die Arbeit. Das Ergebnis: die erste Zappos-Website. Seine erste Version war ein schlanker, minimal ausgestatteter Shop, in dem das Kundenverhalten untersucht wurde, um zu sehen, ob es tatsächlich den Bedarf eines Online-Schuhhändlers auf dem Markt gibt.

Und der Prozess lief laut Swinmurn folgendermaßen ab: 


giphy„Ich ging zu ein paar Geschäften, machte Fotos von den Schuhen. Dazu baute ich eine Website, und bot die Schuhe mit Foto online zum Verkauf an.  Dem Schuhgeschäft sicherte ich zu, bei Verkäufen hier den vollen Preis für den entsprechenden Schuh zu zahlen.“

 


Und es funktionierte. Heute ist Zappos einer der größten Onlineshops, der sich auf den Verkauf und Versand von Schuhen und Modeartikeln spezialisiert. Das Unternehmen ist mittlerweile börsennotiert, beschäftigt über 1.500 Angestellte und verfügt über ein eigenes Versandcenter in Shepherdsville, Kentucky, USA.


 

Bei der Erstellung eines MVPs geht es also nicht immer darum, zu beweisen, dass es eine hohe Nachfrage gibt. Es geht darum, eine Arbeitsgrundlage zu schaffen und festzustellen, ob ein Onlineshop das geeignete Medium für das Unternehmen ist und bietet die Möglichkeit, einen Shop auf der Grundlage aktueller und sich verändernder Kundenerkenntnisse aufzubauen.


Und die Moral von der Geschicht' ...

...ohne MVP funktioniert das Testing nicht!

Die Taktik, durch ein MVP Testphasen durchzuführen, wird noch heute erfolgreich im B2B und B2C, z.B. bei der internationalen Expansion eines Shops, wie im Falle der Baufirma Hiliti, eingesetzt.

Hilti nutzte mit Spryker im Rahmen der internationalen Expansion das MVP-Prinzip, um neue Ländershops einzuführen. Im ersten Schritt wurden nur die nötigen Voraussetzungen für die Bestellung und die Verwendung von Echtzeit-Nutzerdaten geschaffen. Dadurch konnte bereits in einem frühen Stadium ein solides Verständnis der unterschiedlichen Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer Kunden auf der ganzen Welt aufgebaut werden, auf dem die Weiterentwicklung aufgebaut werden kann.


MVP meets IoT

MVPs sind ebenfalls eine gute Basis, wenn es darum geht, neue IoT-Touchpoints, wie mobile Apps und Smart Devices, einzuführen. Wie bereits erwähnt, verwenden User verschiedene Medien auf unterschiedliche Weise. Das Nutzerverhalten, wie auf dem Smartphone durch Apps gescrollt wird, stimmt höchstwahrscheinlich nicht mit dem Nutzerverhalten auf Desktop-Devices überein.

Wenn Du also planst, neue Touchpoints in Deinem Shop zu implementieren, dürfen Ressourcen nicht für die Entwicklung einer detaillierten, bis zum Ende ausgeführten Version verschwendet werden.

Die Gefahr: Am Ende wurde ein Produkt entwickelt, was die Zielgruppe möglicherweise nicht so nutzen kann, wie zum Start geplant.

 

Du möchtest mehr Informationen, einen weiteren Best-Practice-Case und eine Handlungsempfehlung für Deinen Shop? In unserem MVP-Guide erfährst Du mehr!

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