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Cloud

PaaS, SaaS oder beides – Was ist das beste Cloud-Modell für Ihr Digital-Commerce-Unternehmen?

Die Verwendung von Cloud Computing ist für Handelsunternehmen zur Norm geworden. Während die Vorteile, Ihre Software in öffentlichen Clouds (AWS, AZURE, GCP etc.) statt in einem eigenen Rechenzentrum laufen zu lassen, offensichtlich sind, müssen Unternehmen noch immer eine wichtige Entscheidung bezüglich des Cloud-Nutzungsmodells treffen.

Michael Vax
Michael Vax ist Gründer von CommerceIsDigital, das Unternehmen beim Aufbau von Digital-Commerce-Fähigkeiten unterstützt, indem es Online- und Dozentenschulungen und Beratung anbietet. Davor leitete er die Entwicklung von Ecommerce-Plattformen bei Spryker, Hybris und Elasticpath. Verbinden Sie sich mit ihm unter [email protected] oder auf LinkedIn https://www.linkedin.com/in/michaelvax/.
10. Jun 2021
10 min read
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Die Verwendung von Cloud Computing ist für Handelsunternehmen zur Norm geworden. Während die Vorteile, Ihre Software in öffentlichen Clouds (AWS, AZURE, GCP etc.) statt in einem eigenen Rechenzentrum laufen zu lassen, offensichtlich sind, müssen Unternehmen noch immer eine wichtige Entscheidung bezüglich des Cloud-Nutzungsmodells treffen. Im digitalen Handel auf Unternehmensebene wird diese Entscheidung zwischen „Software-as-a-Service“ (SaaS) und „Platform-as-a-Service“ (PaaS) getroffen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine eindeutige Entscheidung, da es viele Kriterien zu berücksichtigen gilt. Zudem hat jedes Modell seine Vor- und Nachteile. Wir erläutern zunächst die Hauptunterschiede zwischen SaaS und PaaS und stellen Ihnen eine Orientierung zur Verfügung, wie Sie das beste Modell für Ihr Digital-Commerce-Unternehmen finden.

Zunächst beginnen wir mit einigen Definitionen.

 

SaaS

Bei SaaS (Software-as-a-Service) handelt es sich um die umfassendste Lösung. Der Anbieter entwickelt das gesamte Softwaresystem, stellt es bereit und pflegt es. Geschäftskunden können direkt über einen Webbrowser (über eine Computer oder Mobilgerät) auf die Anwendung zugreifen. Dies ist fast überall möglich. Die Kunden haben die Möglichkeit, die Anwendung so zu nutzen, wie sie bereitgestellt wird, oder sie entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse teilweise zu konfigurieren. Bei der Verwendung von SaaS besteht keine Notwendigkeit zur Installation von Anwendungen mehr. Zudem wird deren Wartung und Betreuung erheblich vereinfacht. Der gesamte Tech-Stack wird durch die SaaS-Anbieter verwaltet. Dazu gehören Anwendungen, Daten, Middleware, Betriebssystem, Virtualisierung, Server, Datensicherung und Vernetzung. Die Anbieter gewährleisten Sicherheit, Skalierbarkeit und ein hohes Maß an Verfügbarkeit für Ihre Anwendung. Per Definition kann SaaS jedoch keine vollständige Flexibilität im Hinblick auf Anwender Anpassungen, Erweiterungen oder den einfachen Aufbau differenzierter Funktionalität und Anwendungslogik außerhalb von Konfiguration und Plugins bieten.

 

PaaS

Mit PaaS (Platform-as-a-Service) erhält Ihr Team eine Lösung, mit der es innerhalb einer vollständig verwalteten Infrastruktur, einer Plattform und verschiedenen Applications Anwendungen erstellen, testen und ausführen kann. Entwickler konzentrieren sich auf die Entwicklung und Erweiterung der kundenspezifischen Anwendungslogik auf dem vollständig verwalteten Anwendungskern und idealerweise innerhalb der Service-Level-Agreements (SLAs) der gesamten Plattform. PaaS-Anbieter stellen dabei die Infrastruktur, Plattform, Kernanwendung, Middleware, Server, die Umgebungen für Entwicklung, Staging und Produktion sowie den Speicher zur Verfügung. Sie erhalten zudem Zugang zu einem Self-Service-Portal, in dem Sie Ihre Infrastruktur verwalten, Code bereitstellen und die Leistung der Anwendung überwachen können. Mit PaaS lässt sich die Entwicklung kundenspezifischer Anwendungen (oder Erweiterungen) schnell, einfach und kostengünstig umsetzen. Kunden, die PaaS nutzen, profitieren von Cloud-Eigenschaften wie der Skalierbarkeit, Sicherheit, hoher Verfügbarkeit und multi-tenancy. Die Vorteile werden zudem verstärkt, wenn der gewählte PaaS-Anbieter Erfahrung mit der von Ihnen genutzten Anwendung mitbringt. Der Einsatz von PaaS bedeutet jedoch nicht, dass Sie die gesamte Anwendungsebene selbst entwickeln müssen.

Eine im PaaS-Modell bereitgestellte E-Commerce-Plattform bietet alle typischen Merkmale, die in ähnlicher Weise wie mit SaaS-Software konfiguriert und erweitert werden können. Dazu gehört auch die vollständige Verfügbarkeit von Front-End-APIs in einem Headless-Kontext. Der Unterschied wird deutlich, wenn ein Unternehmen spezifische, differenzierte Merkmale implementieren möchte, ohne auf den Plattformanbieter zu warten. PaaS setzt keine Grenzen bei Innovation und Individualisierung – Sie können genau das, was Sie benötigen, genau dann bauen, wenn Sie es benötigen!

 

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Bei der Wahl eines Cloud-Nutzungsmodells sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen.
  • Die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) der Lösung, einschließlich aller Lizenz- und Servicegebühren sowie der Kosten für die Entwicklung und den Betrieb des Systems.
  • Die Amortisierungszeit (Time to Value). Wenn die von einem SaaS-Anbieter bereitgestellte Funktionalität genau Ihren Anforderungen entspricht, ist das die Lösung, mit der Sie schneller starten können. Wenn Sie jedoch genaue Anforderungen umsetzen müssen, die ein SaaS-Anbieter nicht vollständig unterstützt und die über ein einfaches Erlebnis-Level hinausgehen, bereitgestellt durch viele API-basierte und Headless-Systeme, erreichen Sie Ihr Ziel schneller mit PaaS.
  • Wie erfüllt die durch den Anbieter angebotene Funktionalität Ihre Unternehmensanforderungen? In gesättigten, kommerzialisierten Märkten hatten SaaS-Anbieter genug Zeit für die Entwicklung von Lösungen, die den Anforderungen fast aller Kunden innerhalb ihres Zielsegments entsprechen. Das trifft beispielsweise zu auf standardmäßige E-Commerce-Lösungen aus dem reinen Onlinehandel für kleine und mittelgroße Händler in bewährten Vertikalmärkten mit weniger komplexen Geschäftsmodellen. Dazu zählt z. B. der B2C-Mode-Einzelhandel. Eine PaaS-Anwendung bietet sich hingegen eher an für komplexere, noch nicht kommerzialisierte Vertikalmärkte wie B2B, Enterprise Marktplätze, Online-Lebensmittelhändler, Manufacturing, IoT-Commerce und weitere.
  • Handeln Sie jedoch in einem sich schnell entwickelnden Markt und müssen in halsbrecherischer Geschwindigkeit Neuerungen einführen, sollten die Möglichkeit, kundenspezifische Anpassungen über Erfahrungen und API-Schichten hinaus vorzunehmen, sowie die Möglichkeit, neue Funktionsweisen bei Bedarf hinzuzufügen, eine wichtige Rolle bei Ihrer Entscheidungsfindung spielen.
  • Komplexe vs. standardmäßige (kommerzialisierte) Geschäftsmodelle Die Innovationsgeschwindigkeit im Bereich des Digital Commerce nimmt mit neuen Technologien, die neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen, immer weiter zu. Unternehmen experimentieren mit neuen Arten des Online-Verkaufs, der Kundenwerbung, des Sammelns und Nutzens von Daten und des Einsatzes neuer Geschäftsmodelle. Die folgenden Beispiele erfordern komplexere (nicht kommerzialisierte) Lösungen, die ausschließlich mit einem PaaS-Modell unterstützt werden können:
    • Bislang wurden viele Produkte als zu komplex eingestuft, um sie online vertreiben zu können. Richtungweisende Unternehmen verändern dies jetzt, indem sie kundenspezifische Konfiguratoren einsetzen, die den Kunden bei der Gestaltung des exakt von ihm benötigten Produktes unterstützen. Zudem wird dem Kunden eine Online-Zusammenarbeit mit dem In-House-Verkaufsteam ermöglicht.
    • Während viele Digital-Commerce-Plattformen das Abholen der Ware im Laden unterstützen, erneuern Unternehmen weiterhin die kanalübergreifende Lieferung, indem sie das Abholen der Ware an einer Vielzahl von Standorten ermöglichen. Dazu gehören Abholstationen mit Selbstbedienungs-Schließfächern, Postfilialen, Einzelhandelsstandorte von Geschäftspartnern, Tankstellen und weitere. Jeder Standort hat verschiedene Kapazitäten und Geschäftsregeln, die bestimmen, welche Produkte akzeptiert werden, wie lange diese Produkte gelagert werden und welche Bestellungen dahin weitergeleitet werden können.
    • Ein weiteres Beispiel für eine komplexe Digital-Commerce-Lösung ist die Implementierung für ein großes internationales Unternehmen, das sowohl über Onlineshops als auch über ein weitreichendes Netzwerk an Einzelhandelsstandorten verfügt. Den Kunden des Onlineshops werden Verfügbarkeit und Preis des Produktes sowohl beim Onlinekauf als auch beim Kauf im Laden in der Nähe ihres Standortes angezeigt. Ein Manager des Einzelhandelsstandortes ist dann in der Lage, Bestand, im Laden verfügbare Dienstleistungen, Rabatte und mehr anzupassen.

In solchen Fällen spielt die Möglichkeit der kundenspezifischen Anpassungen eine Rolle und es ist sinnvoll, sich für das hier besser passende PaaS-Cloud-Modell mit seiner unbegrenzten Flexibilität zu entscheiden.

  • Es ist zudem wichtig, die für die Entwicklung und Anwendung erforderlichen Fähigkeiten und Kompetenzen zu berücksichtigen. Können Sie sich hierfür auf ein internes Team oder einen Implementierungspartner verlassen?

 

Anwendungsfälle von SaaS

SaaS-Plattformen sind die ideale Lösung, wenn Sie eine reibungslose und verlässliche Ausführung einer Anwendung mit minimalem Aufwand anstreben und dabei auf Funktionen und Möglichkeiten, kundenspezifische Anpassungen vorzunehmen, verzichten. Das Modell ist geeignet, wenn Integrationsanforderungen mit Out-of-the-box-Lösungen erfüllt werden und die vom SaaS-Anbieter bereitgestellte Funktionalität ausreicht. Das trifft üblicherweise auf Unternehmen zu, die in einem gesättigten Markt etabliert sind, auf dem die Einführung von Neuerungen im Tempo Ihres SaaS-Anbieters möglich ist. Geringe Vorkosten und verkürzte Amortisierungszeiträume sind entscheidende Faktoren bei der Wahl der SaaS-Cloud-Nutzung für kommerzialisierte Digital-Commerce-Modelle. 

Es ist hauptsächlich geeignet für ein nicht komplexes B2C-Umfeld, insbesondere bei ausschließlich im Einzelhandel agierenden Unternehmen, die auf den Aufbau eines einfachen Onlineshops abzielen. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Nutzung von SaaS eine Implementierung kundenspezifischer Workflows und Anwendungslogiken erschwert. Sie sind bei der Verbesserung von Featuren und Integrierungsmöglichkeiten vom Anbieter abhängig.

Anwendungsfälle von PaaS

PaaS ist am besten geeignet für Kunden mit komplexen Anforderungen, die in digital schnell wachsenden Umfeldern agieren. Da diese Vertikalmärkte nicht kommerzialisiert sind, benötigen sie einen höheren Grad an Individualisierungs- und Integrationsflexibilität. Im digitalen Handel und in transaktionalen Bereichen ist PaaS am besten geeignet für große, weltweit agierende Hersteller, Großhändler, Marktplätze und Einzelhändler mit komplexen transaktionalen Anwendungsfällen und Geschäften in wachsenden vertikalen Märkten wie Lebensmittel, Pharma, Medizintechnik, Gaming, Bildung oder B2B-Händler. Es handelt sich um die beste Lösung für Hersteller, die mit einem D2C-Ansatz verschiedene Vertriebskanäle bedienen, für B2B-Unternehmen, die mit ihren Kunden komplexe vertragliche Vereinbarungen getroffen haben, sowie für in regulierten Umfeldern tätige Unternehmen.

PaaS stellt für Entwickler die kosten- und zeitsparendste Möglichkeit dar, eine ganz und gar individualisierte Anwendung zu entwerfen. Außerdem erlaubt PaaS Entwicklern, sich auf die Anwendungslogik der App-Entwicklung zu konzentrieren, statt auf Routineaufgaben wie die Verwaltung von Updates oder Sicherheitspatches. Es setzt keine Grenzen bei Individualisierung und Integration, verleiht Entwicklern die vollständige Kontrolle über die Anwendungsebene und stellt gleichzeitig ein Maximum an Skalierbarkeit und Verfügbarkeit sicher. Das PaaS-Cloud-Modell ermöglicht zudem mehr Flexibilität bei der Festlegung von Service-Level-Agreements (SLAs). Verschiedene Unternehmen haben unterschiedliche Systemnutzungsmuster, Ladezeiten und Anforderungen an SLAs. Im PaaS-Modell können Deployment Architektur und SLAs kundenspezifisch angepasst werden, sodass sie zu jedem einzelnen Anwendungsfall passen.

Sehen wir uns an, wie welche weiteren Faktoren von PaaS Entwicklern ein produktiveres Arbeiten ermöglicht. 

Für die erfolgreiche Bereitstellung und Verwaltung von Applications in der Cloud sind sehr spezialisierte Kompetenzen im Bereich von Infrastruktur und Datenbanken erforderlich. Diese benötigte Expertise kann insbesondere kleine Entwicklerteams schnell überwältigen und dafür sorgen, dass ihnen nicht genug Zeit für die Entwicklung ihrer Anwendungen zur Verfügung steht. Bei der Nutzung von PaaS müssen Entwickler kein Verständnis für Container, vertikale und horizontale Skalierung oder Cloud-Kostenoptimierung mitbringen. Sie müssen nicht lernen, wie sie CI/CD-Pipelines erstellen und optimieren, Logs konsolidieren und analysieren oder Warnungen und Kontrollen einrichten.

Mit PaaS werden die Entwicklungs- und Betriebsumfelder bis zu dem Punkt automatisiert und abstrahiert, dass Ihre Teams nicht länger ein spezielles DevOps-Team oder besondere Fähigkeiten für die Bereitstellung und Verwaltung von Anwendungen benötigen. Entwicklerteams können ihre Ressourcen also besser auf hochwertigere Aufgaben wie die Kodierung von Anwendungslogik konzentrieren.

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Die PaaS-Lösung von Spryker

Da niemand das System besser kennt als das Unternehmen, das es entwickelt hat, ist dieses auch als Wahl des PaaS-Anbieters sinnvoll. So wird die enge Abstimmung der Entwicklung neuer Funktionsweisen mit dem PaaS-Support sichergestellt. Dadurch erhalten Sie die bestmögliche Produkterfahrung in Bezug auf Bereitstellung, Updates, Patches, Skalierbarkeit und Sicherheit. SLAs, Bereitstellungsarchitektur, Datenspeicherplatz, Upgrade-Umfang und Zeitplanung werden so gestaltet, dass sie allen kundenspezifischen Anforderungen entsprechen.

Alle PaaS-Anbieter stellen Upgrades für das zu Grunde liegende Betriebssystem, Anwendungsserver, Datenbanken und Middleware-Schichten zur Verfügung. Spryker treibt das PaaS-Konzept mit der Bereitstellung reibungsloser automatisierter Upgrades der E-Commerce-Plattform selbst ohne eine Einschränkung der Erweiterungsmöglichkeiten durch den Kunden jedoch noch weiter voran.
Die PaaS-Lösung von Spryker ist am besten geeignet für Kunden in digital schnell wachsenden Umfeldern mit (per Definition) komplexeren Anforderungen. Es handelt sich dabei um ein vollständig verwaltetes, multi-tenant Cloud-Angebot mit einem End-to-End-SLA, das eine vollständige Kontrolle über die Anwendungsebene ohne Individualisierungs- und Integrationseinschränkungen ermöglicht und gleichzeitig ein Maximum an Skalierbarkeit und Verfügbarkeit bietet. Spryker PaaS ist die ideale Lösung für komplexe transaktionale Anwendungsfälle im Bereich von B2B, Unified Commerce, Enterprise Marktplätze und B2C.

Eine Entscheidung für das PaaS-Cloud-Nutzungsmodell für Ihre Digital-Commerce-Plattform schließt SaaS-Lösungen jedoch nicht vollständig aus. In einem komplexen E-Commerce-Umfeld führt ein Unternehmen üblicherweise mehr als eine Anwendung aus. Das trifft besonders dann zu, wenn Sie der Architektur des Composable Commerce folgen. 

Während Ihr E-Commerce-System also entsprechend den oben ausgeführten Empfehlungen PaaS verwendet, bietet sich für Ihr PIM, CMS oder Loyalty-Programm eventuell eine SaaS-Lösung an.

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